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Angst, Wut und Scham

Glücklich, fröhlich und lebendig wollen wir alle sein. Wer aber will sich schon ängstlich, wütend oder beschämt zeigen? Mit unseren vermeintlich "negativen" Gefühlen wurden wir schon als Kinder abgelehnt - und lehnen uns heute als Erwachsene selber ab. Was wir aber so standhaft versuchen vor uns zu verstecken, sucht ein Leben lang nach Befreiung und Intergration


Wie häufig haben wir in unserem Leben gehört:

Sei doch nicht traurig! Hab keine Angst oder wehe, wenn du wütend bist, dann mag ich dich nicht!

Wenn wir als Kinder unsere persönlichen Grenzen mit einer natürlichen Abwehrhaltung verteidigten oder einfach mal aggressiv auf grenzüberschreitende Übergriffe reagiert hatten, wurden wir ausgeschimpft, gemieden, bestraft oder ignoriert. Die wenigsten haben die Erfahrung gemacht, dass eine Bezugsperson uns freudestrahlend zugejubelt haben, wenn wir auf dem Boden liegend vor Wut strampelten. Kaum jemand wurde liebevoll in die Arme geschlossen, wenn es Schimpfworte schreiend und um sich schlagend, seinen Ausdruck gefunden hat.


Wenn wir also in unserer Prägezeit die Erfahrung gemacht haben, dass hochschwingende Emotionen wie Freude, Glück und Fröhlichkeit positive Resonanz im Aussen erzeugen und niederschwingende Emotionen, wie Trauer, Zorn, Angst im Aussen eher abgelehnt werden, lehnen wir unsere eigenen negativen Emotionen ebenfalls ab.


Sozial unerwünschte Emotionen wie Wut, Angst, oder Scham fühlen sich nicht in erster Linie schlecht an, weil an ihnen etwas nicht in Ordnung wäre, sondern weil wir von unserem Umfeld Ablehnung erfahren, wenn wir sie ausdrücken und dies später selber auch tun.

Wenn wir lieb, nett und freundlich waren, wurden wir gelobt und geliebt. Also haben wir gelernt, dass wir Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen, wenn wir lieb, aufgestellt und fröhlich sind.


Dabei sind alle Emotionen nur purer Ausdruck und Sprache unserer Seele. Nur unsere Wertungen machen sie zu guten und schlechten Emotionen

Beglückwünschen wir uns also, dass unsere Seele sich so wunderbar ausdrücken kann, anstatt

diese sozial unerwünschten Emotionen loswerden und sie in Alkohol ertränken zu wollen, Betäubungsmittel zu nehmen oder uns im Aussen mit Shopping, Extremsport, Medienkonsum, usw. abzulenken.


Wenn ich mir bewusst mache, dass meine Seele sich einfach ausdrücken möchte, dass sie nicht gegen mich ist oder mir das Leben schwer machen möchte, dann kann ich beginnen auch "negative" Emotionen willkommen zu heissen. Dann kann ich anfangen die Sprache meiner Seele zu lernen, ihren Ausdruck und das, was es mit mir macht, einfach nur zu beobachten.


Wenn also unsere Seele in der Lage ist, so kraftvoll und unausweichlich mit uns zu kommunizieren, dann können wir uns doch eigentlich nur darüber freuen. Sie macht sich bemerkbar und teilt sich mit, wenn es ihr gut geht oder eben auch wenn es ihr nicht gut geht - und das unermüdlich, im Moment und mit voller Hingabe. Hören wir nicht auf sie oder ignorieren wir sie weg, dann lässt sie uns nicht im Stich, sondern strengt sich umso mehr an, um gehört zu werden, auch wenn es oft bedeuten kann, uns selbst krank zu machen.


Gerne möchte ich im Folgenden einen Blick darauf werfen, was in Situationen bei denen sozial unerwünschte Emotionen beteiligt sind in der kindlichen Prägungsphase auf energetischer Ebene im Organismus passiert und welche Auswirkungen dies auf uns im Erwachsenenleben hat.


Wenn wir als Kind die Erfahrung gemacht haben, dass unsere Bezugsperson unsere Angst nicht ernst genommen hat, sie ignoriert hat oder wir sogar ausgelacht wurden, war die Energie der Angst ja trotzdem im Kinderkörper. Sie konnte sich nicht auf natürliche Weise entladen, weil der Ausdruck ja unerwünscht war und wir diesen unterdrücken mussten. Diese Energie blieb im Körper gehalten und wurde in unserem Nervensystem abgespeichert. Wenn wir nun in unserem Erwachsenenlebens in einer ähnlichen Situation «getriggert» werden, wird diese alte Erinnerung mit all den gehaltenen Energien der Angst des Kindes wieder aktiviert und möchte erneut zum Ausdruck kommen.


Eine Herausforderung ist diese frühkindliche Angst nicht mit der aktuellen Situation oder Person zu verwechselt, so dass wir wie damals reagieren: Mit Rückzug, Erstarrung, Scham oder Verlassenheitsgefühlen. Eine weitere Challenge besteht darin, der Angst zu erlauben eine Ausdrucksform zu finden, damit die gehaltene Energie «abfliessen» kann.

Dieses reaktive Verhalten, auf Grund von gespeicherten nicht ausgelebten, belastenden Emotionen tritt im Laufe des Lebens solange auf, bis wir es erkannt und es liebevoll aus unserem Körper ausleiten konnten.


Meine eigenen Emotionen als Ausdrucksform meiner momentanen seelischen Befindlichkeit anzusehen, ist ein erster Schritt, den ich für die Befreiung meiner sozial unerwünschten Situationen tun kann.

Eine weitere Möglichkeit wäre, sich jemand Vertrautes zu suchen und zu erzählen, was gerade in Gedanken oder im Körper abgeht. Wenn man darüber mit einer reflektierten Person redet, kann die gehaltenen Energie schon in Bewegung kommen. Das ist erst mal schon ein guter und heilsamer Schritt.


Eine andere Möglichkeit wäre, sich nach einem Therapeuten z. B. für Angstzustände, einem (traumasensiblen) Coach oder nach einem bioenergetischen Körpertherapeuten umzuschauen.


Ich persönlich finde es sehr wichtig, zu beginnen den Mut aufzubringen sich zu zeigen und lernen sich mitzuteilen, auch wenn man gerade selbst nicht weiss, was da los ist. Wenn man darüber mit einer reflektierten Person redet, kann die gehaltenen Energie schon in Bewegung kommen. Das ist erst mal schon ein guter Ausgangspunkt auf dem aufgebaut werden kann.


Im weiteren Verlauf ist eine professionelle Begleitung/Beratung empfehlenswert. Denn gerade die stark gehaltenen Emotionen verstecken sich oftmals so, dass sie uns im ersten Moment gar nicht zugänglich sind.


Fühl ich mich in einem therapeutischen Setting als Betroffene/r sicher und verstanden, darf ich versuchen mich innerlich dem damals so emotional behafteten Ursprungsgeschehen noch einmal zu nähern. Das passiert manchmal ganz leicht, wenn die Zeit reif ist und für genügend nährende Ressourcen im Vorfeld gesorgt wurde. Es kann aber auch sein, dass es länger dauert und mehrere Anläufe braucht. Vielleicht schüttelt es uns beim Durchfühlen der Erinnerung noch einmal richtig durch. Vielleicht fliessen dann auch die zu lange aufgehaltene Tränen oder die gesunde Aggression zeigt sich durch aufwallende Hitze im Körper.

Unsere Seele bricht ihr Schweigen und spricht endlich wieder mit uns. Weil wir jetzt offen sind ihr zuzuhören.

Die gehaltene Energie von damals, kann durch das nochmalige Durchfühlen der erlebten Situation abfliessen und somit in den Nervenzellen zur Ruhe kommen. Nach so einer Erfahrung fühlt es sich manchmal an, als ob einem ein Zenternstein aus seinem Rucksack genommen wurde. Viele berichten anschliessend auch von einer tiefen Erschöpfung und Müdigkeit, die sich aber sehr angenehm anfühlt. Als ob man tagelang nicht geschlafen hat oder dauerangespannt war und nun endlich in eine beruhigende und wohltuende Erholung eintauchen kann.


Wenn wir lernen dauerhaft in Verbindung mit unserer Seele zu sein, die individuelle Sprache unserer Emotionen verstehen und sie als besten Freund/beste Freundin betrachten, beginnen wir uns von uns selbst unendlich geliebt zu fühlen.


Mit einem innigen Herzensgruss


Ihre Melanie

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